Michael Kerawalla -
Kompositionen und phantastische Romane
Stein der Finsternis - Leseprobe 1
Inzwischen war auch Idaral
näher herangetreten und begann die ersten Vorbereitungen
für die Beschwörung des Dämons zu treffen.
Er hob seinen langen Stock, auf dessen Spitze das goldene Symbol der
Sonne glänzte, dem Zeichen der Magier. Er berührte
damit einige der Symbole am Rande der Plattform und sprach dabei leise
Worte in einem alten Dialekt, der nur noch von den Magiern beherrscht
wurde. Schließlich richtete er seinen Stock auf das Zentrum
der Plattform und verstärkte seine Stimme etwas. Ein singendes
Geräusch erklang plötzlich und die Plattform begann
zu leuchten. Idarals Stimme wurde noch lauter und das Singen
verstärkte sich weiter bis es in den Ohren dröhnte.
Die Plattform wurde heller und heller und eine transparente Wand aus
blauem Licht stieg an ihren Rändern hoch bis zur Decke. Dann
wurde das Singen zu einem Donnern, das immer lauter und lauter wurde.
Der Boden und die Wände begannen zu zittern und eine riesige
Stichflamme zuckte aus der Plattform, ein mächtiges
Gebrüll war zu hören, dann schälten sich aus
der Flamme langsam die Umrisse eines Dämons hervor, bis dieser
schließlich die Gestalt einer riesigen schlangenhaften
Kreatur annahm. Daraufhin erlosch die Flamme, das Donnern erstarb und
gespannte Stille trat wieder in der großen Halle ein. Xomm,
der an der Seite seines Meisters alles gespannt beobachtet hatte,
starrte mit offenem Mund auf die riesige Kreatur die vor ihnen
schwebte. Der langgezogene, rote Schlangenkörper reichte fast
bis zur Decke. Darauf saß ein wuchtiger Kopf mit breiter
Schnauze, der von einer mächtigen, gelben Mähne
umgeben war. Xomm war von diesem Anblick wie gelähmt, bis
Idaral langsam seinen Stock erhob und zu dem Dämon sprach.
»Sei gegrüßt Slerg!«
»Ich grüße euch, Idaral!«
antwortete der Dämon mit donnernder Stimme. Xomm trat
erschrocken einige Schritte zurück. Der Dämon
bemerkte seine Bewegung und richtete den Blick auf ihn.
»Wer ist jener neben euch, Idaral?« fragte er
verwundert. »Ich habe ihn nie zuvor gesehen!«
»Sein Name ist Xomm«, antwortete der Magier.
»Er ist mein Schüler. Verzeiht seine Furcht, aber
eure mächtige Stimme ist ihm fremd.« Der
Dämon lachte versöhnlich. »Es lag nicht in
meiner Absicht euch zu erschrecken, bitte verzeiht mir«,
sprach er mit gedämpfter Stimme und verbeugte sich dabei
leicht. Xomm gab die Verbeugung zurück und trat
zögernd wieder einige Schritte nach vorn.
»Welche Neuigkeiten bringst du uns, Slerg?« fragte
Idaral schließlich.
»Ich habe schlechte Nachrichten«, sprach der
Dämon grollend. »Die Wächter des Lichtes
sind beunruhigt. Sie fühlen seit kurzer Zeit die Nähe
der Macht der Finsternis. Sie rückt näher, Tag
für Tag. Die Wächter befürchten, dass sie
bald in unsere Welt eindringen wird, um sich ihrer zu
bemächtigen! Sie fliegt in Form eines schwarzen Kometen genau
auf unsere Welt zu. Schon bald wird dieser in unsere Nähe
kommen, wenn der Sonnenstein nicht die Macht besitzt, ihn aus seiner
Bahn zu lenken. Wenn dies nicht gelingt, wird er unweigerlich auf Wuun
hinabstürzen und die Finsternis wird über uns
kommen.«
Xomm sah plötzlich Bestürzung auf Idarals Gesicht.
Noch nie zuvor hatte er seinen Meister so erlebt.
»Wie steht es um unsere Sonne, Slerg«, fragte
Idaral schließlich, nachdem er sich wieder etwas gefangen
hatte. Seine Stimme klang auf einmal sehr ernst und voller Sorge.
»Noch ist sie stark genug, um den Mächten der
Finsternis zu widerstehen. Doch niemand weiß, wie lange ihre
Kraft dazu noch ausreicht«, antwortete der Dämon
drohend.
»Wann wird uns der Komet erreichen?« fragte Idaral
nach einer kurzen Pause. Sein Gesichtsausdruck glich einer Maske.
»In etwa vier Tagen wird er unserer Welt am nächsten
sein. Dann wird sich Wuun`s Schicksal entscheiden«, grollte
Slerg. Plötzlich hob er seinen Kopf, als schien er zu
lauschen. »Ich muss nun gehen, die Wächter des
Lichtes rufen nach mir«, sprach er schließlich.
»In zwei Tagen sehen wir uns wieder, dann weiß ich
mehr zu berichten.....«
In diesem Augenblick fauchte eine Stichflamme aus dem Podest,
hüllte den
Dämon langsam ein, wurde schließlich immer kleiner
und erlosch gänzlich.
© Michael
Kerawalla 2006
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